Publikumsforschung - made in Switzerland
"Die Redaktion ist für die 'kapitalistische Erwerbsunternehmung' nichts weiter als ein lästiger Kostenbestandteil, der gebraucht wird, um Annoncen vor die Augen von Menschen zu bringen, auf die sie wirken können...Also ist die Zeitung ein Erwerbsunternehmen, das Annoncenraum als Ware erzeugt, die nur durch einen redaktionellen Teil verkäuflich wird" (Karl Bücher 1926, zit. Medienrealitäten 2009 von Harald Amschler/Manuel Dähler)Steigende Bedeutung der Publikumsforschung
Obwohl die obige Feststellung des Nationalökonomen und Begründers des ersten 'Instituts für Zeitungskunde' Karl Bücher bereits über 80 Jahre alt ist, hat sie von ihrer Gültigkeit nichts eingebüsst. Im Gegenteil: Die Koppelung von Werbe- und Rezipientenmarkt wird immer wichtiger. Damit sich Medien auf dem Werbemarkt erfolgreich vermarkten können, sind sie auf den Nachweis ihrer Nutzung auf den Rezipientenmärkten durch die syndikalisierte Publikumsforschung angewiesen.Indem die Publikumsforschung die Nutzer der verschiedenen medialen Angebote quantifiziert und strukturell beschreibt, stellt sie das Bindeglied zwischen dem Werbe- und Rezipientenmarkt dar. Mit kontinuierlich, systematisch, repräsentativ und zunehmend differenziert erhobene Daten, die frei sind von Partikularinteressen entsteht die Basis dafür, dass sie von allen Marktpartnern als glaubwürdige 'währungsgebende Institutionen' anerkannt werden.
Publikumsforschung Printmedien
Seit 1964 führt die WEMF im Auftrag der Werbewirtschaft und der Medienbesitzer in der Schweiz und in Liechtenstein die nationale Leserschaftsforschung durch. Wie auch in den meisten anderen Ländern, rekonstruieren zufällig aus der Wohnbevölkerung ausgewählte Personen ihre (Print-) Mediennutzung im Rahmen strukturierter Interviews.Die Durchführung der MACH Basic mit Hilfe der derzeitigen CATI-Methodik (Computer Aided Telefon Interview) bietet nach wie vor grosse Vorteile in Bezug auf die Stichprobengrösse, -ausschöpfung und -verteilung und ist auch im internationalen Vergleich nach wie vor 'state-of-the-art'. Um auch mittelfristig die für eine währungsgebende Branchenstudie nötige Spitzenqualität zu sichern, arbeitet die WEMF proaktiv mit der Weiterentwicklung des derzeitigen Forschungssystems. Unter dem Arbeitstitel MACH 3 soll die 3. Generation der Leserschaftsforschung die Stärken der heutigen Studien mit neuen methodischen Möglichkeiten kombinieren.
In die umfassenden Evaluationsarbeiten wurden auch elektronische Messsysteme für Printmedien (MediaScan, Mediawatch, Eurisko Media Monitor sowie die RFID-Technik miteinbezogen. Es ist vorstellbar, dass elektronische Messsysteme im Rahmen von Zusatzerhebungen (Titelqualitäten, Kontaktaufbau über die Zeit) in der neuen MACH 3 zum Einsatz kommen. Für die Basis-Reichweitenerhebung scheiden sie aber aus, da es sich durchwegs um aktive Messsysteme handelt, die eine kontinuierliche und längerfrisitge Mitarbeit des Probanden erfordern.
Textauszüge aus "Medienrealitäten" ISBN 978-3-86764-168-5;
'Publikumsforschung - made in Switzerland'
von Harald Amschler und Manuel Dähler
